Theater zum Leben

Die Kunst des Dialogs in Gemeinwesen

Das Theater zum Leben ist eine körperorientierte Form des künstlerischen Dialogs in Gemeinwesen. Diese Arbeit begründet sich auf Augusto Boals „Theater der Unterdrückten“ und David Diamonds Weiterentwicklung zu einer systemischen Form der Konflikttransformation.

Die Methode bringt Menschen über die Intuition, das Spiel und die Kreativität zusammen und ermöglicht dabei einen tiefgehenden Austausch. Das Theater zum Leben ist eine lebendige Sprache, die sich den Sprechenden und dem Inhalt anpasst und somit kein fixer Ablauf von Übungen. So ist jeder Workshop, jede Begegnung, jede Anwendung der Methode anders und voller Überraschungen und wegweisenden Innovationen. In der Mitte steht stets ein gemeinsames Anliegen bzw. ein Konfliktthema. In der spielerischen Improvisation erfahren wir spannende Einblicke in verschiedene Seiten des Konflikts und experimentieren mit mit Lösungsmöglichkeiten.

Theater zum Leben FazilitatorInnen sind bei InKonTra sind Julia Felder und Michael Schiemer. Seit 2015 schafft Julia mit dem Theater zum Leben auch Lern- und Begegnungsräume im Dienste der interkulturellen Friedensarbeit und Konflikttransformation in Vorarlberg. Der Prozess ermöglicht den TeilnehmerInnen einen Ausdruck auf allen Ebenen und schafft dabei eine sehr tiefgehende, aber auch humorvolle Form der Begegnung und Auseinandersetzung, die weit über die Sprache der Worte hinausgeht. Darum ist dieser Zugang besonders wirksam bei der interkulturellen Auseinandersetzung mit Konflikten, bei der rein sprachliche Verständigung eine Hürde darstellt.

 

Anwendungsfelder

WIR UND DIE ANDEREN

Eines unserer vielfältigen Theater zum Leben Projekten wurde 2016 von der Internationalen Bodenseekonferenz (IBK) mit der Sonderauszeichnung „Kultur für Gesundheit“ honoriert. Die Beschreibung aus dem Folder der IBK gibt einen Einblick in das Anwendungsfeld zum Thema „Wir und die Anderen“:

 

KONFLIKTTRANSFORMATION ZU VERSCHIEDENEN SOZIOPOLITISCHEN THEMENFELDERN

Wenn wir etwas verändern wollen, sind wir von diesem Thema selbst betroffen oder berührt. Emotional, materiell, durch unsere eigene Biographie oder unsere Beziehungen zu unserer Mitwelt. Diese Beziehungen zu ergründen und gemeinsam konstruktiv zu nutzen ist ein wesentlicher Schritt zum soziopolitischen Wandel. Mit dem Theater zum Leben können wir unterschiedlichste Themenfelder und innere und äußere Konflikte in dieser Weise transformativ ergründen. Egal ob es um interkulturelles Zusammenleben, prekäre Lebenswelten, Extremismus, religiöse Konflikte, Formen der Gewalt, Diskriminierung, Wirtschaft, Klimawandel, Sexualität usw. geht. Wenn sich eine Gruppe von 7-25 Personen zusammenfindet, die sich auf freiwilliger Basis einem konkreten Thema widmen möchte, dann sind unserer Phantasie keine Grenzen gesetzt. Theatererfahrung, sonstige Kenntnisse oder bestimmte körperliche Grundvoraussetzungen sind nicht nötig. Auch mit Workshops in bis zu 3 verschiedenen Sprachen haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht.

Achtung: Spaß, Überraschung und Veränderung nicht ausgeschlossen!

 

 

GRUPPENBILDUNG

Die Anfangsphase jedes Theater zum Leben Prozesses widmet sich dem, was auf Englisch „entrainment“ genannt wird. Es handelt sich dabei um die Knüpfung von intuitiven Verbindungen mit einer Gruppe. Der Begriff lehnt an „to entrain“ an: in den Zug einsteigen. Im übertragenen Sinn bedeutet es so etwas wie Mitgenommen- oder Mitgerissen Sein. Wenn wir etwa einen gemeinsamen Rhythmus finden, den wir gar nicht kognitiv erfassen müssen um ein Teil davon zu sein, ist das „entrainment“. Es entsteht dabei Vertrauen und ein fruchtbarer Boden für weitere kreative Gruppenprozesse.

 

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Literatur:

Theater zum Leben - Über die Kunst und die Wissenschaft des Dialogs in Gemeinwesen

Autor: David Diamond
Übersetzer: Armin Staffler
ibidem-Verlag, 2013
ISBN: 978-3-8382-0255-6